Lexikon der deutschen Krimi-Autoren
seit 1986 im Dienste des Verbrechens....
Arnau, Frank


PSEUDONYM FÜR: Heinrich Schmitt

BIOGRAPHIE:
 * 9.3.1894 in Wien  
+ 11.2.1976 in München

Frank Arnau wurde, wie in er Interviews und in seiner Autobiographie behauptete, 1894 in einem Eisenbahnabteil des Orientexpress auf der Fahrt von Paris nach Konstantinopel geboren. Er wuchs in der Schweiz und in Frankreich auf, wo sein Vater als Hotel-Geschäftsführer arbeitete.

1910 ließ er nach verschiedenen Internatsaufenthalten und einem vergeblichen Versuch, in Dresden zum Abitur zugelassen zu werden, die Schule hinter sich und trampte quer durch Europa nach Konstantinopel und wieder zurück, bis er schließlich als Barkeeper in einem Wiener Hotel landete.
In Wien begann er auch seine journalistische Karriere als Berichterstatter für verschiedene deutsche Zeitungen. Nebenbei studierte er als Gast Physik, Chemie, Recht, Gerichtsmedizin und Kriminalpsychologie.
Arnau beherrschte seinerzeit bereits perfekt das Geschäft eines "Nachrichtenhändlers", das er mit einem eigenen Pressebüro betrieb. Seine Berichte und Prominenteninterview erschienen in zahlreichen deutschen Zeitungen und Zeitschriften.

1920 lebte Arnau in Frankfurt und arbeitete als Journalist, Theaterdramaturg und Werbeagent, 1929 siedelte er nach Berlin über und wurde "Vorstands-Berater" der Daimler Benz AG und "anderen Unternehmen, die der Deutschen Bank nahestanden". Als "aufrechter Antifaschist" (Bernt Engelmann) stand Arnau dem Kommunismus nahe und beobachtete mit wachsender Sorge den Aufstieg der Nationalsozialisten.
Er hatte neben seinen tagesjournalistischen Arbeiten bereits eine Reihe von Romanen zu aktuellen Themen wie dem Abtreibungsverbot und der Todesstrafe geschrieben und in seinen Büchern meist die Früchte seiner Reportertätigkeit fiktionalisiert.

1933 emigrierte Arnau zunächst nach Frankreich, von wo aus er mit den Nationalsozialisten in seinem Roman DIE BRAUNE PEST abrechnete, 1939 verlegte er sein Exil schließlich nach Brasilien.
In Rio de Janeiro wurde er "Berater" des britischen Botschafters, arbeitete wie schon so oft als Nachrichtenhändler und betrieb nebenbei eine kleine grafische Werkstatt und eine Druckerei. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges galt er deutschen Industrieunternehmen als "Südamerika-Spezialist" und vermittelte verschiedene Industrieansiedlungen in Brasilien.

1952 kehrte er nach Deutschland zürürck, arbeitete ein Jahr für den "Stern" und machte sich dann wieder als Nachrichtenhändler selbständig. Er schrieb in den folgenden Jahren zahlreiche Sachbücher und mehr als zwei Dutzend Kriminalromane. Arnau profilierte sich als mit seiner Arbeit als Justizkritiker und gesellschaftskritischer Journalist. Er demontierte unter anderem im Mordprozeß Hans Hetzel einen Gerichtsgutachter - und lieferte damit die Vorlage für den Roman "Der Fall Arbogast" von Thomas Hettche (2002)
1974 zog sich Arnau, der bis dahin in München gelebt hatte, auf seinen Altersruhesitz in Bissone bei Lugano zurück.

Neben einigen anderen Serienfiguren entwickelte Arnau in seinen Kriminalromanen die Figur des "Inspektors Brewer" von der New Yorker Mordkommission - einen gestandenen "Mordermittler", an dessen Arbeit Arnau polizeiliche Ermittlungsmethoden darstellen konnte. Auch Arnaus andere Hauptfiguren wie der Polizeichef von Tanger "Gaston Lamont" oder der Berliner "Kriminalrat Reyder" sind verbissene Polizisten und Kriminalisten und Arnau verstand es in seinen Romanen stets, realistisch wirkende plots zu entwickeln, anhand derer er seine Kenntnis von Ermittlungsmethoden, Gerichtsmedizin und Kriminaltaktik einbringen konnte.
In den wenigen Romanen, in denen Arnau sich heiter gab oder sich an Gesellschaftskomödien versuchte, scheiterte er meist.

Arnau war einer der ersten eigenständigen deutschen Krimiautoren der Nachkriegszeit. Seine Arbeiten sind vom aufklärerischen Ansatz mit den Romanen von J.M. Simmel zu vergleichen, wobei Arnau allerdings nie Simmels dramaturgische und erzählerische Finesse erreichte.
Seine insgesamt rund 100 Bücher erschienen - nicht zuletzt wegen Arnaus Geschäftstüchtigkeit - stets in mehreren Auflagen und Ausgaben, Vor- und Nachdrucken und erreichten eine Gesamtauflage von mehr als 3,4 Millionen Exemplaren.
Das Erscheinungsjahr seines letzten Kriminalromans DAS VERBRANNTE GESICHT, 1968, wurde zugleich mit dem Erscheinen von Michael Molsners ...UND DANN HAB ICH GESCHOSSEN zum Geburtsjahr des "neuen" deutschen Krimis.

Frank Arnau bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Arnau

Über Frank Arnau:

Reinhard Jahn: Die Faszination der Fakten - Der Kriminalschriftsteller Frank Arnau, in: Klugman/Mathews (Hg): Schwarze Beute thriller-Magazin 4, rororo2933 (Volltext)

Frank Arnau: Gelebt, geliebt, gehaßt (Autobiographie) Desch OA

Ulrike Götting in "Der deutsche Kriminalroman zwischen 1945 und 1970"  (Marburg: Tectum, 2000) über Frank Arnaus Romane bei Google-Books

Nachruf im SPIEGEL 8/76
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41331174.html



KRIMINALROMANE:
IB = mit Inspektor Brewer,
GL = mit Gaston Lamont
KR = mit Kriminalrat Reyder
1929 Der geschlossene Ring , Merlin Verlag (Neufassung 1957)
1931 Lautlos wie sein Schatten, Verlag Knaur, Knaur Bücher 47
1933 Männer der Tat (Spionage-Roman) Steegmann Verlag
1953 Auch sie kannten Felix Umballer, (Lehning 23) EA
1956 Pekari Nr 7 (IB) (Ullstein 104) EA
1957 Tanger nach Mitternacht (GL) (Ullstein 142) EA
1957 Verwandlung nach Mitternacht, Frankfurter Societätsdruckerei
1957 Mordkommission Hollywood (Ullstein 149) EA
1957 Der geschlossene Ring (Neufass)Frankfurter Societätsdruckerei
1958 Nur tote Zeugen schweigen (IB)(Ullstein 777) EA
1958 Jenseits aller Schranken  (Ullstein 748) EA
1958 Heisses Pflaster Rio (GL) (Ullstein 763) EA
1959 Nur tote Zeugen schweigen (Ullstein 777) EA
1959 Lautlos wie sein Schatten (IB) (Ullstein 786) EA
1960 Der perfekte Mord, Aktueller Buchverlag Bad Wörishofen
1960 Der letzte Besucher (IB) (Ullstein 800) EA
1960 Das andere Gesicht (IB) (Ullstein 825) EA
1961 Das Rätsel der Monstranz (Ullstein 831) EA
1961 Die Dame im Chinchilla (IB) (Ullstein 849) EA
1962 Heroin AG (IB) (Ullstein 870) EA
1962 Im Schatten der Sphinx (IB) (Ullstein 899) EA
1963 Der Mord war ein Regiefehler (Ullstein 954) EA
1963 Schuss ohne Echo (KR) (Neufass von "Der perfekte Mord" 1960)
1963 Verwandlung nach Mitternacht (Heyne 229) EA
1964 Der Mord war ein Regiefehler (KR)
1965 Mit heulenden Sirenen (IB) (Ullstein 1081) (EA)
1968 Das verbrannte Gesicht (IB) (Ullstein 1219) (EA)
1984 Das verschlossene Zimmer (Gemeinschaftsroman aus dem Jahr 1932 (gem mit Alfred Döblin, Richard Hülsenbeck, Erich Ebermeyer, Manfred Hausmann, Kurt Heuser, Edlef Koeppen, Gabriele Tergit, neu herausgegeben von Armin Arnold) Bouvier, Bonn (posthum)


ANDERE BÜCHER:
1911 Knittl-Psalmen (Gedichte) Kurt Wiegand Verlag, Berlin
1914 Kain ("Mysterium") Verlag Karl Konegen, Wien
1916 Kritik, Verlag Kritik, Wien
1919 Die ersten 5 Tage einer Revolution (Essay),Verlag Haller,Bern
1920 Graf Tisza, Verlag H. Her, Berlin
1921 Das Loch in der Luft (Novellen) Würzburger Verlagsdruckerei
1921 Zehn Jahre Neues Theater zu Frankfurt, Voigt&Glauber,
1922 Die Technik des modernen Dramas, Universitätsverlag, Würzburg
1923 Umballer (Roman) Verlag Rundschau, Frankfurt
1925 Das Signal (Roman), Südwestdeutscher Funkverlag, Frankfurt
1925 Der Tod im Äther (Roman) Brönners Druckerei&Verlag, Frankfurt
1925 Homburger Frühlingslegenden, Verlag Kornsand, Frankfurt
1926 Begegnungen (Gedichte) Privatdruck, Hauserpresse, Frankfurt
1927 Schüsse in der Nacht (Roman), Verlag J.J. Weber, Leipzig
1929 Almanach des Vereins Frankfurter Presse, Hauserpresse
1930 Das Antlitz der Macht (Roman), Goldmann Verlag, Leipzig
1930 Der geschlossene Ring (Roman), Merlin Verlag,Baden-Baden
1930 Gesetz das tötet (Roman), Merlin Verlag, Baden-Baden OA
1930 Kämpfer im Dunkel (Roman), Goldmann Verlag, Leipzig OA
1931 Die große Mauer (Roman), Goldmann Verlag, Leipzig
1931 Stahl und Blut (Roman), Merlin Verlag, Baden-Baden OA
1932 Mann ohne Gegenwart (Roman), Goldmann Verlag, Leipzig OA
1932 Die Maske des Dr Bruce (Roman), Neufeld & Henius, Berlin
1932 Das leere Haus (Roman), Moment-Verlag, Berlin
1932 Der Untergang der Groß-Venor, Verlag Bischoff, Frankfurt
1934 Die braune Pest (Roman), Vlg Deutsche Freiheit, Saarbrücken
1944 Die Makse mit den Silberstreifen, Hallwag Verlag, Bern
1949 Rue Blanche 7, Tagesspiegel, Berlin
1956 Der verchrohmte Urwald (Sachbuch) Umschau Verlag, Frankfurt
1957 Lexikon der Philatelie, Verlag Ullstein, Berlin
1959 Panik vor Torschluß, Pegasus Verlag, Wetzlar
1959 Kunst der Fälscher,Fälscher der Kunst, Econ Vlg, Düsseldorf
1960 Brasilia, Stadt aus der Retorte, Prestel Verlag, München
1960 Das große Erlebnis (Roman), Pegasus Verlag, Wetzlar
1961 Beichte einer verschleierten Frau, Europa Verlag, Zürich
1962 Das Auge des Gesetzes (Sachbuch) Econ Verlag, Düsseldorf
1964 Talente auf Abwegen (Sachbuch) Verlag Ullstein, Berlin
1964 Warum Menschen töten (Sachbuch) Econ Verlag, Düsseldorf
1965 Macht und Geheimnis der Magie (Sachbuch) Fackelträger Vlg
1965 Jüdische Anekdoten (Sammlung), Hyperion Verlag, Freiburg
1965 Der Fall Brühne-Ferbach, Gestern&Heute Verlag, München
1965 Der Fall Blomert, Gestern&Heute Verlag, München
1966 Juwelen aus Papier (Sachbuch), Schuler Verlag, Stuttgart
1966 Wer nicht glaubt an Wunder, ist kein Optimist, Hyperion Vlg
1966 Jenseits der Gesetze (Sachbuch), Rütten&Löning Vlg, München
1967 Die Straf-Unrechtspflege in der Bundesrepublik, Desch Verlag
1967 Flucht in den Sex (Sachbuch) Rütten&Löning, München
1967 Rauschgift - Träume auf dem Regenbogen, Bucher Verlag, Luzern
1967 Der Fall Senatspräsident Seiffert, Ullstein Verlag, Berlin
1967 Witze in Braun und Rot (Sammlung), Scherz Verlag, Bern
1967 Fernlöstliche Weisheiten (Sammlung) Hyperion Verlag, München
1968 Menschenraub (Sachbuch) Verlag Desch, München
1971 Tatmototiv Leidenschaft (Sachbuch) Goverts Verlag
1972 Lexikon der Philatelie, Lingen Verlag, Köln
1972 Gelebt, geliebt, gehaßt (Autobiographie) Desch OA
1974 Watergate - Der Sumpf (Sachbuch) Verlag R.S. Schulz
1974 Schon vor dem Urteil verurteilt (Sachbuch), Thesaurus Verlag
1976 Der Fall Jaccoud (Sachbuch), Verlag R.S. Schulz, OA


SONSTIGES:
Bühnenstücke/Theatertexte:
1917 Die feste Überzeugung (Komödie), Bühnenvlg Max Pfeffer, Wien
1918 Komödie der Wirklichkeit, Bühnenverlag Max Pfeffer, Wien
1920 Man weiß es nie, Bühnenverlag Max Pfeffer, Wien
1920 Vision (Tragödie) Blätter des dt. Schauspielhauses, Hamburg
1920 Exzellenz (Komödie) Verlag Ferdinand Wyss, Bern
1921 Der Titan (Schauspiel), Verlag Oesterheld & Co, Berlin
1922 Pavillon d'amour (Lustspiel) Bühnenverlag Max Pfeffer, Wien
1924 Das große Erlebnis (Komödie) Bühnenverlag Max Pfeffer, Wien
1925 Kittys schlechte Eigenschaften, Bühnenverlag Max Pfeffer,Wien



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H.P. Karr:
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