
Kommissarin Vera Falck arbeitet - wie ihre Kollegin Marlene
Kemper - ebenfalls bei der Soko Ruhrgebiet, was bedeuet, dass sie
überall zwischen Duisburg und Dortmund zum Einsatz kommt.
Ein Sohn, der der Polizei belastendes Material über die schmutzigen
Baugeschäfte seines Vaters anvertrauen will ("Verräter im Haus") oder
ein Heiratsschwindler, der zum Mörder wurde ("Der Mann mit den vielen
Namen") - Kommissarin Vera Falck löst die Fälle stets souverän und
immer mit dem
ihr eignenen Charme.
Die kleine Serie war ein Auftrag für die Wochenendbeilage der Neuen Rhein/Ruhr
Zeitung im Sommer 2007. Kommissarin Vera Falck "vertrat" während
der Urlaubszeit den Kolumnisten Jörg Bartel mit seiner Rubrik "Kolumbus
& Co"
Fall 01: Verräter im Haus
Fall 02: Der Mann mit den vielen Gesichtern
Fall 03: Der Mann mit der Maske
Fall 04: Im Dunkeln ist gut Munkeln
Fall 05: Überfall in der Nacht
Fall 06: Der Tod des Professors
Ein Fall für Vera Falck:
Verräter im Haus
Kommissarin Vera Falck musterte das Haus der Speerschneiders:
Gründerzeit, im besten Stadtteil von Essen. Schließlich betätigte sie -
nein, nicht die Klingel, sondern einen schweren Messingklopfer an der
Tür. Ein dem Haus angemessener, livrierter Diener öffnete
und näselte: "Herr Speerschneider ist nicht anwesend!".
"Mein Name ist Falck", näselte die Kommissarin zurück. "Vera Falck!
Herr Speerschneiders Sohn Lutz hat mich eingeladen. Bitte melden Sie
mich an."
Der Diener bedachte die Kommissarin mit einem abschätzigen Blick und
verschwand im Haus. Nach fünf Minuten kehrte er mit einem jungen Mann
zurück.
"Kommen Sie, Frau Falck!" Lutz Speerschneider führte die Kommissarin in
den Wintergarten. Sorgfältig schloss er die Tür hinter sich und sagte:
"Charles - unser Majordomus - ist Vater treu ergeben. Nicht auszudenken
wenn er erfährt, was ich Ihnen zu sagen habe."
"Sie sprachen am Telefon von Beweisen gegen Ihren Vater", begann Vera
Falck diplomatisch. Bernd Speerschneider, der Vater von Lutz, war einer
der größten Investoren der Region. In den letzten Jahren hat er ein
halbes Dutzend Shopping Malls, Einkaufszentren und Abenteuerparks
hochgezogen.
"Vater sieht sich gern als Unternehmerpersönlichkeit", meinte Lutz
angewidert. "Aber im Grunde genommen ist er ein Gauner. Für seine
Projekte hier hat er mit betrügerischen Angaben mehr als fünfzig
Millionen Euro an Subventionen vom Land ergaunert."
Vera Falck seufzte. "Das ahnt jeder, aber man hat es ihm bis heute
nicht beweisen können."
Lutz Speerschneider gab der Kommissarin eine CD-ROM. "Hier sind die
Beweise. Buchhaltungsdaten der letzten drei Jahre. Ihre Experten bei
der Staatsanwaltschaft werden wissen, was sie damit anfangen können."
Vera Falck steckte die CD-ROM ein. "Warum tun Sie das?"
Lutz Speerschneider erzählte eine Geschichte wie aus eine Telenovela:
dass er sich vor einem halben Jahr in ein Mädchen hatte, der Tochter
eines kleinen Ladenbesitzers. "Bei ihrem Vater habe ich gesehen, was
mein Vater mit seinen Aktivitäten hier anrichtet", sagte er. "Die
Einkaufszentren, die mein Vater finanziert, haben das Geschäft dieses
Mannes kaputtgemacht." Lutz schluckte. "So kann das nicht weitergehen.
Deshalb habe ich die Daten über Vaters Betrügereien vom Computer in
seinem Arbeitszimmer kopiert. Von einem Freund bei der Polizei habe ich
dann Ihren Namen erfahren, Frau Kommissarin. Sie gelten als integere
Kriminalbeamtin. Ich denke, Sie wissen, wie man meinem Vater mit meinen
Unterlagen das Handwerk legen kann."
"Ich werde Ihre Informationen weiterleiten", versprach Vera Falck.
Lutz wirkte enttäuscht. "Sie werden meinen Vater nicht gleich
verhaften?"
Vera musste ein wenig lächeln über die unbedarfte Art des Jungen.
"Nein, Lutz, so schnell geht das nicht. Wenn deine Unterlagen auf der
CD stichhaltig sind, wird von der Staatsanwaltschaft ein
Ermittlungsverfahren eingeleitet und wenn ein Richter die Beweise für
ausreichend hält, wird ein Haftbefehl ausgestellt."
"Gut!" Der Junge riss sich zusammen. "Tun Sie, was notwendig ist!"
Gemeinsam mit Lutz Speerschneider verließ die Kommissarin den
Wintergarten. Charles der Majordomus brachte sie zur Tür.
"Auf Wiedersehen, Frau Kommissarin", näselte er zum Abschied.
Vera Falck sah ihn an. "Sie kommen am besten mit aufs Präsidium."
Der Diener zeigte kaum eine Reaktion. "Darf ich fragen, warum?"
"Sie haben mein Gespräch mit Lutz Speerschneider belauscht, und ich
möchte nicht, dass Sie seinem Vater erzählen, was wir besprochen
habe!", sagte Vera Falck.
"Ich muss doch bitten!", erklärte der Diener. "Sie unterstellen mir
hier Dinge, die Sie absolut nicht beweisen können."
"Ich unterstelle nichts, sondern ich kann es beweisen", sagte Vera
Falck.
Was war Vera Falck aufgefallen?
H.P. Karr:
Ein Fall für Vera Falck
Krimi-Serie für Neue Ruhr Zeitung
Sommer 2007, 6 Teile
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