Lexikon der deutschen Krimi-Autoren
seit 1986 im Dienste des Verbrechens....
Cotton, Jerry

PSEUDONYM FÜR:
Walter Appel, Martin Barkawitz, Alfred Bekker, Corinna Bomann, Kurt Brand, Nadine Buranaseda, Rolf A. Bürkle, Edmund Diedrichs, Christoph Dittert, Günter Dönges, Uwe Erichsen, Paul Ernst Fackenheim, Wolfgang Fechtner, Holger Friedrichs, Horst Friedrichs, Jan Gardemann, Horst Gehrmann, Karl Heinz Günther (alias C.H. Guenther), Peter Haberl, Karl Heinz Hackmann, Fritjof Haft, Uwe Haft, Helmut Hartmann, Gerhart Hartsch, Peter Hebel, P.S. Henseler, Eugen Hobein, Heinz Werner Höber, Wolfgang E. Hohlbein, Theodor Horschelt, Harald Jacobsen, Horst W. Hübner, Thomas Jeier, Rolf Kalmuczak (alias Stefan Wolf), Albrecht Peter Kann (alias Al Cann), Uwe Karsten, Andreas Kasprzak, Delfried Kaufmann, Hans Joachim von Koblinski, Helmut Kobusch, Gerhard Koch, Hans E. Ködelpeter, Dietrich Köhr, Peter Krämer, Klaus Kunkel, Werner Kurtze, Bert Ledwoch, Jürgen E. List, Rolf Lohmeyer, Walter G. Mauckner, Kai Meyer, Peter Moriar, Helmut Neubert, Werner Niehaus, Walter Nutz, Hans Olbrich, Michael Peinkofer, Peter Perkins, Hermann Peters, Hasso Plötze, Lothar Rausch, Helmut Rellergerd (alias Jason Dark), Torsten Reschke, Wolfpeter Ritter, Irene Rodrian, Rolf Schmitz, Willi Schoenebeck, Günter Seddig, Eberhard Seitz, Hans Wolf Sommer, Hans Jürgen Spürkel, Friedrich Tenkrat, Fritz Turban, Karl Voigt,  Gudrun Voigt, Willi Voss, Alfred Wallon,  H.H. Weber, Susanne Wiemer, Hans Werner Wienand, Richard Wunderer jun., Thomas Ziebula (und andere)

Die Cotton-Seite bei WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Jerry_Cotton



BIOGRAPHIE: * 10.3.1956 in Bergisch-Gladbach
Als im März 1954 in als Band 68 der Reihe "Bastei-Kriminalromane" der Titel "Ich suchte den Gangster-Chef" von "Jerry Cotton" erschien, nahm damit nicht nur die Karriere eines der langlebigsten Serienhelden der deutschen Kriminalliteratur ihren Anfang. Ab 1956 ging die Reihe dann unter dem Titel "G-man Jerry Cotton" als eigene Serie an den Markt.

Mit "Jerry Cotton" fand auch die finanzielle Durststrecke des damals 35jährigen Bastei-Verlegers Gustav H. Lübbe ihr Ende. Begonnen hatte die der Aufstieg des Schriftsetzerlehrlings und Luftwaffenoffiziers Gustav H. Lübbe nach Kriegsende und Demobilisierung als freier Journalist, Rundfunk-Reporter, dpa-Korrespondent und Feuilleton-Redakteur der "Neuen Tagespost" in Osnabrück mit dem Erwerb des kleinen Verlages für triviale Unterhaltungsromane in Bergisch-Gladbach.

Über den geistigen Vater des FBI-Agenten berichtete Jörg Weigand unter dem Titel " Jerry Cotton - endlich enttarnt" in der WELT vom 6.5.1998:
"Der Erfinder des cleveren FBI-Agenten aus New York war bis heute nicht nur den Fans und damit dem "Deutschen Jerry Cotton Club" mit Sitz in Offenbach unbekannt, sondern auch der Legion von Koautoren. Zu sehr schottete der Bastei-Verlag über die Jahrzehnte hinweg seinen Starautor ab. Man wollte ihn zum einen nicht an die Konkurrenz verlieren, zum anderen, so die offiziell vom Verlag verbreitete Version, schäme sich seine Frau seiner Heftchenschreiberei. Und: Der Autor selbst wünsche keinerlei Publicity. (...)
 Dabei hatte sich der damals 31-jährige Delfried Kaufmann, Mitarbeiter des Waschmittelkonzerns Henkel (Bastei sprach jahrelang vage von einem "Waschmittelvertreter Herr K."), eigentlich einen Spaß erlauben wollen. Auf einem Spaziergang mit seinem Freund, dem Autor Kurt Reis, entwickelte er diesem seine Idee einer "Juxfigur Jeremias Baumwolle" (...), mit der er die ganze Krimigattung auf die Schippe nehmen wollte. Als Delfried Kaufmann nach wenigen Romanen die Lust an Cotton verlor und ihn darüber hinaus gesundheitliche Probleme plagten, übernahm Reis für eine kurze Zeit die Autorschaft und wurde damit Mr. Cotton Nr. 2. Nach dem Reis-Intermezzo - er verfaßte sechs Cotton-Titel - schrieb Kaufmann als geistiger Vater von "Jerry Cotton", von einigen Ausnahmen abgesehen, nur noch die Jubiläumsbände (Nr. 100, 500, 1000 etc.).
(...)
 Delfried Kaufmann meidet jeden Kontakt mit der Presse. Am Telefon verneint er zwar die Urheberschaft für "Jerry Cotton" nicht, verweigert aber weitere Auskunft. Dabei ist "Jerry Cotton" mit einer Weltauflage von mehreren hundert Millionen Exemplaren die erfolgreichste Kriminalserie der Welt.  © DIE WELT, 6.5.1998"

Jerry Cotton, der angebliche FBI-Beamte aus New York, "berichtet"  allwöchentlich und seit einigen Jahren auch in einer zweiten, dritten und vierten Auflage und in Taschenbüchern von seinen spektakulären Abenteuern im Kampf gegen das Verbrechen. Die in Romane werden überwiegend im Wechsel zwischen der pseudo-authentischen Ich-Perspektive Jerry Cottons und der personalen Perspektive über die Aktionen der Gegner erzählt und vom Verlags-Lektorat innerhalb der Serie nach den jeweils vorherrschenden Krimi- und Thriller-Tendenzen, aber auch nach aktuellen zeitgeschichtlichen Themen gestaltet. Bis 2010 waren rund 2700 Romanhefte erschienen.

Unter den Autoren des Cotton-Teams fanden sich im Lauf der Jahre nicht nur Unterhaltungs-Profis und Lohnschreiber, sondern auch einige später unter ihrem richtigen Namen bekannt gewordenene Autoren des neuen deutschen Krimis - wie etwa Irene Rodrian, Uwe Erichsen oder Willi Voss. Auch Unterhaltungsromanautoren wie Wolfgang Hohlbein oder Kai Meyer arbeiteten für Jerry Cotton.

Die Jerry Cotton-Serie war und ist äußerst erfolgreich und wurde in mindestens 19 Sprachen übersetzt und in mehr als 52 Ländern der Welt vertrieben. Ihr Erfolg trug dazu bei, daß Gustav H. Lübbe neben dem Bastei-Romanheft-Verlag in den sechziger Jahren den Bastei-Lübbe Taschenbuch-Verlag gründen konnte, zu dem sich später noch der Lübbe-Hardcover-Verlag gesellte. Heute gehört die Bastei-Lübbe-Verlagsgruppe besonders im Taschenbuchbereich zu den führenden Unternehmen in der Bundesrepublik.

Während die Literaturkritik den Erfolg des Phänomens "Jerry Cotton" ignorierte und die Literatursoziologie den Cotton-Erfolg unter dem Obertitel "Romane für die Unterschicht" abzuhandelte, genoß der "teutonische James Bond", der mit seinem roten Jaguar und seinem Freund Phil Decker auf Gangsterjagd ging, bei seiner Leserschaft höchstes Ansehen. Seine "Berichte" wurden besonders in den ersten Jahren für authentisch gehalten, er erhielt Zuschriften, die sowohl in Bergisch-Gladbach (beim Verlag) als auch in New York (beim FBI) ordnungsgemäß zugestellt worden.

Unterstützt wurde dieser Effekt durch die Verlagspolitik, keine Autorennamen bekanntzugeben. Erst in den letzten Jahren wurde diese Strategie aufgegeben.

Anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Serie wurde eine behutsame Erneuerung und aktuelle Anpassung der Serie mit verschiedenen internen Roman-Zylken ("Sarah-Hunter"-Zyklus. Band 2445–2457 ) und auch der Auskoppelung einer "Phil Decker-Mini-Serie" versucht. Daneben wurde mit "Jerry Cotton Classic" eine Neuedition  von Romanen überwiegend aus den sechziger Jahren gestartet.

In deutschen Kinos erlebte der FBI-Agent zwischen 1965 und 1968 in mehr als einem halben Dutzend Filmen eine bescheidene Leinwand-Karriere. In den zunächst noch komplett in Deutschland gedrehten und mit durchsichtigen Tricks nach USA verlegten Schauplätzen stellte der US- Darsteller George Nader den Jerry Cotton dar.
Eine persiflierende Version des Jerry-Cotton-Stoffes lieferte 2010  "Jerry Cotton" von Cyrill Boss & Philipp Stennert  mit Christian Tramitz in der Titelrolle und Christian Ulmen als Phil Decker.

Im Oktober 2012 startete mit "Der Beginn" von Mario Giordano ein "Reload" der Jerry Cotton-Reihe als E-Book und Hörbuch. In der Neuerzählung und Neuschöpfung der Krimiserie ist Jeremiah "Jerry" Cotton zunächst Polizist beim new York Police Departement, der über die Ermittlungen in einem Mordfall in Kontakt mit der "G-Team" genannte Sonderabteilung des FBI kommt. Seine Kollegin, mit der er nach seiner Übernahme in das G-Team zusammenarbeitet, ist Philippa "Phil" Decker.
Literatur:
Was ist Jerry Cotton RELOADED?  
http://www.webcitation.org/6CDimxYs9

Literatur:
über den langjährigen "Cotton"-Autor Heinz Werner Höber:
1996 Jan Eik: Der Mann, der Jerry Cotton war (Biographie) Das neue Berlin
zum 50-jährigen Cotton-Geburtstag 2003:
2003 Friedrich Jakuba: Jerry Cotton. Nichts als Wahrheit und Legenden. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach
2010 Martin Compart: G-man Jerry Cotton, Lübbe, OA HC

Literatur über die Jerry Cotton-Heftserie: (mit Tipps von Fotis Jannidis)
Teuscher,Gerhard: Perry Rhodan, Jerry Cotton und Johannes Mario Simmel : eine Darstellung zu Theorie, Geschichte  und Vertretern der Trivialliteratur. Stuttgart : Ibidem-Verl.,  1999. - 160 S.
Wesollek,Peter: Jerry Cotton oder "Die verschwiegene Welt" : Untersuchungen zur Trivialliteratur am Beisp. e.  Heftromanserie. Bonn : Bouvier, 1976. - 362 S
Kronsbein, Joachim: LEGENDEN Smarter Typ, totes Girl , DER SPIEGEL - 47/2003 17.11.2003 
(PDF im SPIEGEL-Archiv)
Frank Schäfer: Jerry Cotton und kein Ende, NZZ  9.6.2004
http://www.nzz.ch/2004/06/09/fe/article9N7HM.html
(Jerry Cotton-Redakteur) Dr. Florian Marzin über seinen Ruf und Jerry Cotton ...  bei zauberspiegel-online.de
http://www.zauberspiegel-online.de/index.php?option=com_content&task=view&id=404&Itemid=15

KRIMINALROMANE:
1956ff: Jerry Cotton Romanheftserie (Erste Auflage)
1963ff: Jerry Cotton Taschenbuch (Erste Auflage)
1965-1969: Jerry Cotton Film-Sonderbände
1968ff: Jerry Cotton Romanheftserie (Dritte Auflage)
1978 - 1996 Jerry Cotton Romanheftserie (Vierte Auflage) 554 Bände
2005ff Jerry Cotton Classic 

Sonderbände zu den Filmen:
1. Schüsse aus dem Geigenkasten  (Rolf Kalmuczak)
2. Fall 2 - Mordnacht in Manhattan
3. Der Erbarmungslose
4. Die Rechnung eiskalt serviert (anonym)
5. Der Mörder-Club von Brooklyn (anonmym)
6. Dynamit in grüner Seide (anonym)
7. Der Tod im roten Jaguar (Hans Olbrich)
8. Todesschüsse am Broadway (anonym)

Cotton Reloaded (monatlich, Start Oktober 2012)
2012 Mario Girodano: Der Beginn (E-Book und Hörbuch)
2012 Peter Mennigen: Countdown
(E-Book und Hörbuch)

HÖRSPIELE / CD
ab 2002:
01 In Aspen ist die Hölle los  - aus: Band 2156 In Aspen ist die Hölle los © 1998 by BasteiVerlag
02 Mir bleiben nur noch Stunden - aus: Band 2168 Mir blieben nur noch Stunden © 1999 by BasteiVerlag
03 Route 66 Straße zur Hölle - aus: Band 2182 Route 66 - Straße zur Hölle © 1999 by BasteiVerlag
04 Blutnacht auf dem Airport - aus: Band 1281 Blutnacht auf dem Airport © 1984 by BasteiVerlag
05 Die letzte Fahrt im Jaguar, aus: Band 2217, Die letzte Fahrt im Jaguar © 1999 by Bastei Verlag
06 Phil Decker und die Selbstmord-Falle  aus: Band 2175, Phil Decker und die Selbstmord-Falle © 1999 by Bastei Verlag
07 Der Rattenfänger von Brooklyn, aus:  Band 2172, Der Rattenfänger von Brooklyn © 1999 by Bastei Verlag
08 Die Lady, die Phil Decker jagte, aus:  Band 2179, Die Lady, die Phil Decker jagte © 1999 by Bastei Verlag,
09 Eine Milliarde Euro, aus:  Eine Milliarde Euro, Band 2324 © 2002 by Bastei Verlag
10 Dealer des Todes, aus: Dealer des Todes, Band 1955 © 1994 by Bastei Verlag
11 Hawaii - Job in der Hölle,, aus: Hawaii - Job in der Hölle, Band 2305 © 1998 by Bastei Verlag
12 Mein heißer Deal in New Orleans - aus: Mein heißer Deal in New Orleans, Band 2146 © 2001 by Bastei Verlag
13 Die Prinzessin aus der Bronx  - aus: Die Prinzessin aus der Bronx, Band 1229 c 1983 by Bastei Verlag
14 Wir und die Millionen-Zwillinge, aus: Wir und die Millionen-Zwillinge, Band 1392 c 1994 by Bastei Verlag
15 Das verdammte Geld, aus: Das verdammte Geld, Band 21393 c 1987 by Bastei Verlag
16 Der Kokain-Baron – aus dem Band Die Braut des Kokain-Barons, Band 1394 c 1987 by Bastei Verlag

2003 Jerry Cotton, Mein erster Fall beim FBI, von Horst Friedrichs, Harald Schmidt Erzähler , Lübbe



FILM/VERFILMUNGEN:
1965 Schüsse aus dem Geigenkasten (BRD, 89 Min) (Drehbuch: Georg Hurdalek nach einem Jerry Cotton-Roman, Regie: Fritz Umgelter) Mit George Nader, Heinz Weiss, Richard Münch

1965 Mordnacht in Manhattan (BRD, 89 Min) (Drehbuch: Alex Berg <d.i. Herbert Reinecker >  und K.B. Leder nach einem Jerry Cotton-Roman, Regie: Harald Philipp) Mit George Nader, Heinz Weiss, Monika Grimm


1965 Um null Uhr schnappt die Falle zu (BRD, 86 Min) (Drehbuch: Kurt Nachmann, Fred Denger, Regie: Harald Philipp) Mit George Nader, Horst Frank, Heinz Münch


1966 Die Rechnung eiskalt serviert (BRD/F, 98 Min) (Drehbuch: Georg Hurdalek, nach einem Jerry Cotton-Roman, Regie: Helmut Ashley) Mit George Nader, Heinz Weiss, Horst Tappert


1966 Der Mörderclub von Brooklyn (BRD, 96 MIN) (Drehbuch: Alex Berg <d.i. Herbert Reinecker> nach einem Jerry Cotton-Roman, Regie: Werner Jacobs) Mit George Nader, Heinz Weiss, Helga Anders


1967 Dynamit in grüner Seide (BRD/I, 89 Min) (Drehbuch: Rolf Schulz, Christa Stern, Regie: Harald Reinl) Mit George Nader, Heinz Weiss, Silvie Solar


1968 Der Tod im roten Jaguar/La morte in Jaguar rossa (BRD/I, 91 Min) (Drehbuch: Alex Berg <d.i. Herbert Reinecker>, Regie: Harald Reinl) Mit George Nader, Heinz Weiss, Grit Böttcher


1968 Todesschüsse am Broadway (BRD, 89 Min) (Drehbuch: Rolf Schulz, Christa Stern, nach einem Jerry Cotton-Roman, Regie: Harald Reinl) Mit George Nader, Heinz Weiss, Michaela May


2010 Jerry Cotton (aka
 "Jerry Cotton - Der Mann im roten Jaguar kommt zurück") (Drehbuch:(Deutschland, 90 Min, Farbe), Regie: Cyrill Boss (writer) und Philipp Stennert (writer) und Andreas Gaw (gag overwrite) Cyrill Boss & Philipp Stennert) EA 10.3.2010 KINO



update  19.4.2001
update 6.12.2003
last update 22.2.2005
last update 23.3.2010

*** E N D E ***



 

H.P. Karr:
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