Die "Täterhatz mit der WAZ"

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Kommissarin Claudia Kant von der SoKo Ruhrgebiet war stets im Sommer unterwegs - als Ferienaktion in der WAZ. Wer mit ihr gemeinsam ihre Fälle löst, kann dicke Buchpakete gewinnen - natürlich alles Krimis.




WAZ-Ferienkrimi zum Mitraten (2)
16.07.2005 / Szene, Wochenendbeilage

H. P. Karr:
Mief am Musenhof


Gerald Steiner hatte die Vorhänge in seinem Intendantenbüro des Essener Opernhauses zugezogen. Kommissarin Claudia Kant untersucht den Inhalt der Schachtel, wegen der Steiner die Sonderkommission Ruhr verständigt hat. Sie enthält einen Wecker, eine Batterie und einen Zünder mit einer Glasphiole mit einer gelben Flüssigkeit. "Das haben wir heute im Zuschauerraum gefunden", erklärt Steiner. "Der Wecker ist auf 14 Uhr eingestellt", stellt Claudia fest. "Zum Glück hat der Inspizient das Ding gegen Mittag entdeckt", fährt Steiner fort. "In der Glasphiole ist Buttersäure, die einen schrecklichen Gestank verbreitet hätte, wenn diese Stinkbombe gezündet worden wäre."

Claudia Kant sieht sich den Wecker an - ein einfaches, mechanisches Modell, bei dem man nur eine Weckeinstellung für 24 Stunden vornehmen kann. "Dieser Brief lag dabei!" Der Intendant reicht Claudia einen Zettel. "Steiner - Dein Opernhaus stinkt. Dein 'Tannnhäuser' ist zum Kotzen!" "Ich sollte vielleicht erklären, dass es bei meiner aktuellen Tannhäuser-Inszenierung Probleme gab", meint Steiner schmallippig. "Ich hatte Bill Clayton aus den USA und Klaus Merker für die Titelpartie vorgesehen - als Erst- und als Zweitbesetzung. Aber die beiden kamen nicht mit meiner Regie zurecht, so dass ich mich letzte Woche von ihnen getrennt habe. Die Tannhäuser-Premiere wird heute Abend von einem Franzosen gesungen, den ich kurzfristig engagiert habe."

"Clayton und Merker hätten also Grund, die Aufführung zu sabotieren", überlegt Claudia.

Der Intendant nickt. "Sowohl Clayton als auch Merker waren gestern hier - um die Auflösungsverträge zu unterschreiben. Ich hatte die beiden wohlweislich getrennt voneinander bestellt." Steiner blättert in seinem Terminkalender. "Bill Clayton kam am Vormittag um 10 und war um 11 schon wieder weg. Klaus Merker kam dann am Nachmittag gegen 16 Uhr und brachte auch gleich seinen Anwalt mit!"

"Haben Sie sich ungehindert im Haus bewegen können?", fragt Claudia.

"Mehr oder weniger", muss Steiner zugeben. "Clayton ist unkontrolliert am Bühneneingang reinspaziert und bei Merker hat dessen Anwalt an der Pforte einen Riesen-Aufstand veranstaltet, während Merker mit dem Lift zu mir ins Büro fuhr."

Claudia Kant verstaut die Stinkbombe in einem Plastikbeutel der Kriminaltechnik. Wäre sie wirklich um 14 Uhr explodiert, hätte der Gestank der Buttersäure die Oper für die Premiere des "Tannhäuser" heute Abend unbenutzbar gemacht.

"Ich werde alles auf Fingerabdrücke untersuchen lassen", meint sie. "Aber auch schon nach dem, was Sie mir erzählt haben, scheidet einer der beiden Verdächtigen vollkommen als Täter aus."

Wer kommt für den Anschlag überhaupt nicht in Frage?


Lösung: Die Bombe wird mit einem Wecker ausgelöst, der lediglich maximal 24 Stunden im voraus eingestellt werden kann. Dieser Wecker war auf 14 Uhr des aktuellen Tages eingestellt, also konnte die Bombe erst nach 14 Uhr des vergangenen Tages in die Oper gebracht worden sein. Dadurch wird der Verdächtige Bill Clayton entlastet - er war am Vortag zwischen 10 und 11 Uhr im Haus.


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Die Täterhatz 2005

Fall 01: Schade um den schönen Schmuck
Fall 02: Mief am Musenhof
Fall 03: Königlicher Irtum
Fall 04: Muskulös gelogen
Fall 05: Rote Lichter und fiese Ferkeleien
Fall 06: Ein letzter Schluck
Fall 07: Eine Klasse für sich



H.P. Karr:
Täterhatz mit der WAZ
Krimi-Serie für Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Sommer  2005 und 2006, je 7 Teile
Rechte beim Autor



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