DEUTSCHER KRIMI PREIS
Die Fakten
Die Preise
Preisträger 2005 - 2009
Die besten Krimis des Jahres
21. Deutscher Krimi Preis 2005

National


pap
frank
bott


1. Platz: 
Astrid Paprotta: Die ungeschminkte Wahrheit
(Piper)


Das Opfer sah sie aus starren, blicklosen Augen an. Aber Kommissarin Ina Henkel kannte die Augen Ermordeter. Beunruhigender war für sie die Tatsache, daß in dem Gesicht des Obdachlosen alles glänzte: Tusche, Lidschatten, Lippenstift und Rouge, alles zu dick aufgetragen, als sei es für die Ewigkeit gedacht. Was hatte das zu bedeuten? Und weshalb trug der Tote einen dreimal gefalteten Zettel bei sich, auf dem ein einziges Wort geschrieben stand? Eine Spur führt zu der beliebten TV-Moderatorin Denise Berninger. Doch bevor Ina Henkel mit ihren Ermittlungen vorankommen kann, geschehen weitere Morde – und alle Opfer sind grell geschminkt …



2. Platz: 
Frank Schätzing: Der Schwarm
(Kiepenheuer & Witsch)

Ein Fischer verschwindet vor Peru, spurlos. Ölbohrexperten stoßen in der norwegischen See auf merkwürdige Organismen, die hunderte Quadratkilometer Meeresboden in Besitz genommen haben. Währenddessen geht mit den Walen entlang der Küste British Columbias eine unheimliche Veränderung vor.
Nichts von alledem scheint miteinander in Zusammenhang zu stehen. Doch Sigur Johanson, norwegischer Biologe und Schöngeist, glaubt nicht an Zufälle. Auch der indianische Walforscher Leon Anawak gelangt zu einer beunruhigenden Erkenntnis: Eine Katastrophe bahnt sich an. Doch wer oder was löst sie aus?
Während die Welt an den Abgrund gerät, kommen die Wissenschaftler zusammen mit der britischen Journalistin Karen Weaver einer ungeheuerlichen Wahrh eit auf die Spur.

Frank Schätzing entfaltet sein Schreckensszenario erfreulich schnell, erfreulich spannend und erfreulich fies (von einigen Figuren darf sich der Leser schon nach einem knappen Drittel verabschieden). Von der Funktion des Golfstroms über die Geologie der Meeresböden, von den verheerenden Riesenwellen, den Tsunamis, bis zur überraschend banalen Erklärung des Phänomens Bermuda-Dreieck ist der Thriller prall gefüllt mit komplexen wissenschaftlichen Theorien, die Schätzing mit leichter Feder veranschaulicht. Gewiss, die Schwarte ist nicht ganz frei vom üblichen Öko-Gejammer (böser, böser Mensch!). Andererseits umschifft der Autor elegant ein paar esoterische Klippen, auf die man seinen Roman schon zuzusteuern wähnte - anthroposophisches Zeugs von Freund Delphin und Bruder Indianer.
(Jan C. Schmidt / kaliber38.de)


3. Platz:  Oliver Bottini: Mord im Zeichen des Zen
(Scherz)


Louise Bonì, Hauptkommissarin bei der Freiburger Kripo aus dem Dezernat Kapitalverbrechen, 42 Jahre alt, geschieden, steht wieder einmal vor einem tristen Wochenende mit den Schatten der Vergangenheit. Doch dann stört ein Anruf des Dezernatsleiters ihre Erinnerungen, und Louise bekommt den merkwürdigsten Auftrag ihrer Karriere als Polizistin: Sie soll einen japanischen Mönch suchen, der östlich von Freiburg in Sandalen und Kutte durch den verschneiten Breisgau streift, und herausfinden, was er vorhat. Als sie den Mönch eingeholt hat, wird ihr rasch zweierlei klar: Er ist verletzt, und er ist auf der Flucht.

In der Nacht kauern sich Kommissarin und Mönch unter einen Baumstamm, sie glaubt, Verfolger zu hören. Sprechen können sie nicht miteinander. Am Morgen zieht er weiter, Bonì beauftragt die Kollegen, ihn zu beschützen, soweit ihr Bezirk reicht. Am Abend ist der Dorfpolizist schwer verletzt, der junge Rennfahrer erschossen, der Mönch verschwunden.
Das Buch, das so unwiderstehlich beginnt, hat einen bescheuerten Titel: Mord im Zeichen des Zen. Sein Autor Oliver Bottini hat zuvor Sachbücher über Buddhismus verfaßt, da werden der Verlag (oder die Verlagsvertreter, die entscheiden neuerdings über die Titel) gedacht haben: Esoterik kommt gut. Außer dem Titel ist nichts bescheuert an diesem Buch. Geschrieben ist es in einem kraftvollen, unsentimentalen Duktus, um den Krimiprofis - und nicht nur die – den Debütanten beneiden könnten.
(Tobias Gohlis / DIE ZEIT)



International


ran
dahl
petros


INTERNATIONAL:
1. Platz: 
Ian Rankin: Die Kinder des Todes
(A Question of Blood)
Deutsch von Claus Varrelmann

(Goldmann/Manhattan)


In dem beschaulichen Küstenstädtchen South Queensferry erschüttert ein Blutbad die Öffentlichkeit: In einer Schule hat der ehemalige Elitesoldat Lee Herdman zwei Jungen erschossen, einen schwer verletzt und anschließend sich selbst getötet. Als John Rebus und seine Kollegin Siobhan Clarke zu dem Fall gerufen werden, gibt es eigentlich nur eine offene Frage: warum? Die Suche nach der Antwort führt die beiden Ermittler in das Herz einer kleinen Gemeinschaft und ihrer verlorenen Kinder. Eine zweite Spur reicht weiter in die Vergangenheit des Täters, dessen Schicksal Rebus nicht mehr loslässt. Selbst ehemaliges Mitglied der Special Air Forces, versucht er, sich in die Psyche Herdmans zu versetzen, um dessen Tat zu begreifen.

Ein wenig scheint es, als sei Ex-Einzelkämpfer John Rebus - zumindest teilweise - zum teamfähigen Polizisten mit Herz geworden, was dem einstmals so zynischen Raubein nicht schlecht zu Gesicht steht.
Doch hat sich Autor Ian Rankin deswegen noch lange nicht, der leichten Unterhaltungslektüre verschrieben. Seine Figuren bleiben gebrochene Gestalten, Außenseiter der Gesellschaft, Verlierertypen. Junge Menschen, deren Abstieg auf ihrem weiteren Lebensweg bereits durch die Geschichte ihrer Vorfahren vorprogrammiert ist. Und Erwachsene, die von den Gespenstern der eigenen Vergangenheit regelrecht zu Tode gejagt werden.
(Michaela Pelz / krimi-forum.de)


2. Platz:  Arne Dahl: Falsche Opfer
(
Upp till toppen av berget)
Deutsch von Wolfgang Butt 
(Piper)

Per Karlsson hat nichts gesehen. Nicht einmal den brutalen Mord an dem jungen Mann, der am Tisch neben ihm erschlagen wurde. Karlsson gibt vor, in Ovids "Metamorphosen" versunken gewesen zu sein. Kurz darauf ereignet sich auf einem Industriegelände unweit des Tatorts eine blutige Auseinandersetzung: Zwei verfeindete Banden wollen einen Aktenkoffer an sich bringen, der den Schlüssel zu einem Banksafe enthält. Als die Polizei eintrifft, fehlt von dem Koffer jedoch jede Spur. Die Stockholmer Sondereinheit um Paul Hjelm jagt zwei Verdächtige: Sonja, die Tochter eines der Bandenführer und Per Karlsson.

Innerhalb der ungemein boomenden skandinavischen Kriminalliteratur zählt Arne Dahl zu den profiliertesten Autoren. Er versteht es meisterlich, Atmosphären der Bedrohung zu entwerfen, seine Figuren sind charakterlich komplex, die Geschichten kompakt und zwingend entwickelt. Arne Dahl ist fraglos ein Schriftsteller von internationalem Format. Jedes seiner Bücher belegt das aufs neue.
(Volker Albers / Hamburger Abendblatt)

3. Platz:  Petros Markaris: Live!
(O tse aftoktonise)
Deutsch von Michaela Prinzinger
(Diogenes) 

30 Jahre nach der Militärdiktatur steht der einstige Juntagegner Favieros auf dem Gipfel des Erfolgs. Sein Bauunternehmen floriert - die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 2004 laufen auf Hochtouren. Was also bringt ihn dazu, sich vor laufender Kamera zu erschießen?

Nach dem Bauunternehmer begehen noch ein Politiker und ein Journalist öffentlich Selbstmord. Kommissar Kostas Charitos führen seine Recherchen weit zurück in die Vergangenheit. Die drei Männer waren Widerstandskämpfer gegen die Junta, hatten sich aber inzwischen im kapitalistischen System gut eingerichtet. Auch in seinem dritten Roman zeichnet Petros Markaris ein kritisches, sehr lebendiges Bild der Stadt Athen und der griechischen Gesellschaft insgesamt, nicht nur an den kriminellen Rändern, sondern auch im Zentrum der politischen Klasse. Die Familie schließlich ist für Charitos kein Ort der Geborgenheit, besonders mit seiner herrschsüchtigen, kochwütigen Frau Adriani ist regelmäßig Streit angesagt. Markaris hält souverän die Spannung über 500 Seiten, der Drehbuchautor (für Theo Angelopoulos) und Übersetzer (Faust ins Griechische) ist einer der Altmeister des europäischen Kriminalromans.
(Wilhelm Roth)




Besondere Anerkennung:
Die Jury spricht dem Unionsverlag, Zürich, dem Maas-Verlag, Berlin, und dem Pendragon-Verlag, Bielefeld, ihre Anerkennung für ihre Programmarbeit aus.



Die Jury
Kritiker: Volker Albers (Hamburger Abendblatt) / Andreas Ammer (ARD) / Sönke Boldt (Badische Neueste Nachrichten) / Jens Dirksen (NRZ) / Joachim Dörr / Tobias Gohlis (DIE ZEIT) / Günther Grosser / Reinhard Jahn (Bochumer Krimi-Archiv) / Hermann Kling / Alf Mayer / Ulrich Noller (WDR) / Michaela Pelz (krimi-forum.de) / Wolfgang Platzeck (WAZ) / Wilhelm Roth / Jan Christian Schmidt (kaliber38.de) / Erhard Schütz / Sylvia Staude (Frankfurter Rundschau) / Willy Theobald (Financial Times Deutschland) / Jürgen M. Thie / Bettina Thienhaus (epd-film) / Karl Wegmann / Thomas Wörtche (nur Kategorie NATIONAL)

Krimi-Buchhandlungen: Gabriele Fauser (Glatteis, München) / Hildegard Gansmüller (Die Wendeltreppe, Frankfurt) Juliane Hansen (Under-Cover, Stuttgart) / Christian Koch (Hammett, Berlin) / Thomas Przybilka (Missing Link, Bonn) / Manfred Sarrazin (Alibi, Köln) / Robert Schekulin (UFO, Freiburg) / Tilman Thiemig (Mord & Totschlag, Braunschweig) / Udo Aschemeyer (Heiner K, Hamburg)

 www.deutscher-krimipreis.de