DEUTSCHER KRIMI PREIS
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Die Preise
Preisträger 2010 - 2014
Die besten Krimis des Jahres

27. Deutscher Krimi Preis 2011

National

Jaumann - Stunde des Schakals Deutscher Krimi Preis 2011
Göhre Der Auserwählte Deutscher Krimi Preis 2011
Blttenberg Murnaus Vermächtnis Deutscher Krimi Preis 2011

1. Platz: Bernhard Jaumann: Die Stunde des Schakals
(Kindler/Rowohlt)

Namibia: Im Windhuker Nobelviertel Ludwigdorf wird ein Mann, der seine Zitronenbäume wässert, über den Elektrozaun hinweg erschossen. 19 Jahre nach der Ermordung der SWAPO-Anwalts Anton Lubowski beginnt mit diesem Mord eine Attentatsserie, der nach und nach die damaligen Täter vom südafrikanischen Geheimdienst zum Opfer fallen. Für die junge Windhuker Kriminalpolizistin Clemencia Garises werden die erbitterten Kämpfe aus der Endzeit der Apartheid lebendig, die sie bisher nur aus Erzählungen kannte.

Spannend und dynamisch nach bester Thrillermanier breitet Bernhard Jaumann seine Geschichte aus, die von einem bis heute nicht geklärten Mord erzählt. Mit Clemencia Garises, der namibischen Polizistin mit der großen Familie, hat er eine der liebenswertesten Detektivfiguren der letzten Jahre geschaffen.
(Reinhard Jahn)


2. Platz:  Frank Göhre: Der Auserwählte
(Pendragon)

Eloi - Der Auserwählte - ist gelinkt worden. Nun schuldet er David Geld. Drogengeld. Der illegal in Hamburg lebende Afrikaner gerät mächtig unter Druck. Und plötzlich ist Eloi verschwunden. Gekidnappt. Welche Rolle spielt Elois Mutter bei dem Verbrechen? Liegt der Schlüssel zur Aufklärung in ihrer bewegten Vergangenheit, die sie Ende der 80er Jahre auf eine kanarische Insel führte? Auf der Sonneninsel herrschte ein »genialer Erzieher« über eine Gruppe höriger Anhänger. Und Elois Mutter war seine Gespielin. Jetzt geht es um Geld - um sehr viel Geld. Aber auch um Gerechtigkeit, Schuld und Sühne aus scheinbar längst vergangener Zeit.

Die Rahmenhandlung ist ein typischer Göhre-noir über illegal aliens und Drogen in Hamburg. Darunter liegt aber eine Schicht, die mit den Selbstfindungsphantasien der guten alten '70s und '80s zu tun hat, die so gut und alt dann doch nicht waren. Nicht, weil die Ideen so bescheuert gewesen wären, sondern weil auch da homo sapiens und seine mörderischen Seiten mit im Spiel war. Göhre erzählt das anhand einer Kommune zur Beförderung befreiter Sexualität auf Gomera, die recht eigentlich der Beförderung ekliger Gelüste der »befreienden« ideologischen Schmutzes diente. Schöner, schneller, schmaler Roman.
(Thomas Wörtche)
 


3. Platz:  D. B. Blettenberg: Murnaus Vermächtnis
(dumont)

Die Leiche eines Afrikaners dümpelt im Schilf eines brandenburgischen Sees. Ein Opfer der Jagd nach einem verschollenen Meisterwerk des deutschen Filmregisseurs Friedrich Wilhelm Murnau, und es wird nicht das letzte sein. Denn es geht um viel Geld, und das lockt alle Beteiligten auf gefährliches Terrain in verzauberte Tropenwelten und an den Abgrund der eigenen Seele.
So auch Victor Voss, der sich als Tourguide in Ghana durchschlägt. Eines Tages nimmt ein angeblicher Schweizer seine Dienste in Anspruch. Doch der Kunde ist weder Tourist noch Geschäftsmann, sondern Handelsreisender in Sachen Tod. Er nennt sich Albin Grau, könnte aber auch anders heißen. Denn er hat viel mit Murnaus Vampir und Horrorgestalt Nosferatu gemein.

Zitat
Detlef B. Blettenberg hat mit »Murnaus Vermächtnis« ganz sicher den komplexesten seiner elf Romane veröffentlicht. Er konstruiert darin ein geschicktes Verwirrspiel zwischen Fiktion und Realität, wobei den einst vielgereisten deutsche Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau ja tatsächlich noch bis heute einige Geheimnisse umgeben. Und so durchzieht die Suche der beiden Abenteurer Voss und Grau nach verlorengegangenen Filmen Murnaus den Roman wie der berühmte rote Faden. Dabei bietet das Buch eine interessante Fülle an Nebenhandlungen und äußerst faszinierenden historischen Hintergründen.
(Christian Koch, Hammett)



Pressemitteilung zum Deutschen Krimi Preis 2011 als PDF



International


Winslow Tage der Toten Deutscher Krimi Preis 2011
Bazell Schneller als der Tod Deutscher Krimi Preis 2011
Manotti Letzte Schickt Deutscher Krimipries 2011

1. Platz: Don Winslow: Tage der Toten
(The power of the dog)
Deutsch von Chris Hirte
(Suhrkamp)

Mit großem Tatendrang hat sich der US-Drogenfahnder Art Keller daran gemacht, in die Strukturen der mexikanischen Drogenmafia einzudringen – mit Erfolg. So viel Erfolg, dass die Drogendepots reihenweise auffliegen und die Narcotraficantes die Jagd auf ihn eröffnen. Nachdem sein Mitarbeiter von den Gangstern zu Tode gefoltert wurde, schwört Art Keller Rache und startet einen gnadenlosen, blutigen Feldzug gegen die Drogenbarone. Zu spät bemerkt er, dass er sich damit neue Feinde macht – und die sitzen in Washington.


Don Winslow erweist sich als großer Historiker der verborgenen Geschichte der USA und ihrer imperialen Politik in Mittelamerika. Mit wohl dosierter Personalisierung gelingt es ihm, die großen Linien der Machtausübung – Einbettung des Drogenkriegs in die diversen Strategien zur Domestizierung des mittelamerikanischen Hinterhofs, Machterhaltungsstrategien von katholischer Kirche und mexikanischer Oligarchie, Kalter Krieg – auf Menschenmaß zu bringen.
(Tobias Gohlis)



2. Platz:  Josh Bazell: Schneller als der Tod
(Beat the Reaper)
Deutsch von Malte Krutzsch
(S. Fischer)

Pietro ist clever und smart und war Killer für die New Yorker Mafia. Er stieg aus und glaubt sich sicher - er ist erstens im Zeugenschutzprogramm und zweitens Arzt in einem Krankenhaus. Bis einer der alten Feinde eingeliefert wird. Diagnose: Krebs im Endstadium. Wenn er stirbt, ist Pietro geliefert. Die nächsten acht Stunden im Tollhaus der Klinik werden zum atemlosen Wettkampf um sein Leben...

Eine unendlich schnell und unendlich witzig erzählte Geschichte. Wie vom Seelendoktor verschrieben gegen Langweile und trübe Laune.
Manfred Sarrazin (Krimibuchhandlung ALIBI)


3. Platz:  Dominique Manotti: Letzte Schicht
(Lorraine Connection)
Deutsch von Andrea Stephani
(Argument)

Ein Städtchen in Lothringen, ein Tal voller stillgelegter Eisenhütten. Hier arbeitet Rolande Lepetit am Fließband einer Daewoo-Fabrik, die sich mit EU-Zuschüssen knapp über Wasser hält. Doch die Unfälle häufen sich, die Stimmung ist explosiv. Nach einem weiteren Zwischenfall geht die Belegschaft auf die Barrikaden. Plötzlich steht das Werk in Flammen!

»Ein brillantes Buch. Manotti zieht alle Register des klassischen Realismus, langsam werden die Sauereien vor unseren Augen ausgebreitet, die Anzugträger nehmen sich, was sie kriegen können und lassen, wenn's sein muss, ihre politischen Handlager im Regen stehen, und natürlich zahlen die kleinen Leute für alles, manche mit ihrem Leben.«
(Günther Grosser, Berliner Zeitung)



Die Jury:
Kritiker: Volker Albers (Hamburger Abendblatt) / Andreas Ammer (ARD) /  Jens Dirksen (Mediengruppe WAZ) / Joachim Dörr / Joachim Feldmann (Am Erker) / Tobias Gohlis (DIE ZEIT) / Günther Grosser (Berliner Zeitung) / Reinhard Jahn (Bochumer Krimi Archiv) / Hermann Kling / Alf Mayer / Michaela Pelz (krimi-forum.de) / Wilhelm Roth (epd) / Lars Schafft (krimi-couch.de) / Jan Christian Schmidt (kaliber38.de) / Erhard Schütz / Sylvia Staude (Frankfurter Rundschau) / Willy Theobald (Financial Times Deutschland) / Jürgen M. Thie / Bettina Thienhaus / Thomas Wörtche (CULTurMAG)

Krimi-Buchhandlungen: Jutta Wilkesmann (Die Wendeltreppe, Frankfurt Main) / Manfred Sarrazin (Alibi, Köln) / Christian Koch (Hammett, Berlin) / Thomas Przybilka (Missing Link) / (Robert Schekulin (Buchhandlung Am Schwarzen Kloster, Freiburg) / Juliane Hansen (Under-Cover, Stuttgart) / Cornelia Hüppe-Binder (Miss Marple, Berlin) /Hans W. Kohlmann (Whodunnit, Leipzig)



Der Deutsche Krimi Preis...

...ist der älteste deutsche Krimipreis. Seit 1985 zeichnet eine Jury aus Krimi-Kritikern, Literaturwissenschaftlern und Krimi-Buchhändlern die besten Kriminalromane des Jahres aus.

Mit dem Deutschen Krimi Preis - vergeben in den Kategorien National und International - werden jeweils drei Romane gewürdigt, die "inhaltlich originell und literarisch gekonnt dem Genre neue Impulse verleihen."

Der Deutsche Krimi Preis ist undotiert und wird - ungewöhnlich in der Szene der Literaturpreise - in der Regel nicht öffentlich verliehen, sondern lediglich der Öffentlichkeit bekannt gegeben.

Auf dieser Seite finden Sie neben einem Verzeichnis aller ausgezeichneten Romane Informationen darüber, wer zur Jury gehört und wie die Teilnahmebedingungen sind.

Außerdem können Sie sich über die Entstehung und Geschichte des Preises informieren und etwas über die 119 besten Krimis aller Zeiten erfahren, die von einer Jury ermittelt wurden.

Für alle Fragen, die nicht in der FAQ zum Deutschen Krimi Preis beantwortet werden, gibt es die Möglichkeit, diskret Kontakt mit dem Organisator aufzunehmen.

 www.deutscher-krimipreis.de