DEUTSCHER KRIMI PREIS
Die Fakten
Die Preise
Preisträger 1995 - 1999
Die besten Krimis des Jahres
13. Deutscher Krimi Preis 1997

National


hei
haefs
haas

1. Platz: Alexander Heimann: Dezemberföhn
(Cosmos)

In Hinterzünen braut sich ein Unheil zusammen. Zunächst kursieren in dem Schweizer Dorf nur Gerüchte. Dann passieren seltsame Vorfälle. Ein Bauer findet eine brutal getötete Katze. Und es naht der außergewöhnlich warme Dezemberfön, an dem sich die Seminaristin Verena auf den Weg zur Bahnstation macht.

2. Platz: Gisbert Haefs: Das Kichern des Generals
(Haffmans)


Der alte General, der dreieinhalb Jahrzehnte lang Paraguay wie seinen Privatbesitz geleitet hat, sitzt im Exil an der Küste Brasiliens und langweilt sich. Er möchte noch einmal schäbig kichern und noch einmal an den Strängen zupfen, die er selbst geflochten und gespannt hat. Schauplatz ist die Stadt Ciudad del Este im Dreiländereck Brasilien-Paraguay-Argentinien. Durch die Stadt verläuft eine der Hauptrouten des Narko-Handels, kontrolliert von Leuten des Cali-Kartells. In Ciudad del Este sitzt die Hizbollah, die von hier 1994 den blutigen Anschlag auf das jüdische Zentrum in Buenos Aires vorbereitete. Und deswegen ist auch der Mossad vertreten - ebenso wie CIA, DEA und die militärischen Geheimdienste der umliegenden Staaten. In diesen Teich voller Haie wirft der General als Köder eine Leiche und Informationen, die alle Haie anders interpretieren. Geht es um Geld, Kokain, Waffen oder einen Putsch? Oder alles zusammen? Sicher ist nur: Der General wird kichern. Worüber, das weiß nur er.

3. Platz: Wolf Haas: Auferstehung der Toten
(Rowohlt)


In Zell am See geht es etwas langsamer zu als im Rest der Welt. Hier wird man nicht erschossen, sondern tiefgefroren. So ist es einem steinreichen amerikanischen Ehepaar ergangen, das man an einem klirrend kalten Wintermorgen im Sessellist findet. Die Polizei beißt sich an der Sturheit der Zeller schnell die Zähne aus. Licht in diesen Fall kann nur ein Mann wie Privatdetektiv Brenner bringen, ein ehemaliger Polizist, der wegen seiner nervenzermürbenden Langsamkeit aus dem Job geekelt wurde. Brenner hat das Gespür für den Rhythmus der österreichischen Provinz.


Schon mit seinem ersten Roman hat Wolf Haas einen neuen Ton in den deutschsprachigen Kriminalroman gebracht. Ein Ich-Erzähler, von dem man nicht weiß, wer er ist, spricht den Leser an, ganz bedächtig, berichtet nicht nur, sondern wertet und deutet, beschleunigt auch manchmal, verschluckt halbe Sätze, verwandelt das Österreichische in ein kunstvoll-naives Idiom. Brenner nimmt diesen Rhythmus auf, er geht nicht zielstrebig vor, sondern tastend, tappend, Kleinigkeiten entdeckend oder sich in ihnen verlierend. Für das schwierige Gelände dieses Falls ist er genau der Richtige: „Weil das ist quasi ein Glatteis gewesen, oder von mir aus ein Tiefschnee, oder vergleiche es meinethalben mit was anderem. Da kommst du mit einer anderen Gangart besser vorwärts als wie zum Beispiel auf einer Asphaltstraße.“ Bei der Lösung des Falls, einer Familientragödie,  erscheint Wolf Haas als Alter ego von Brenner, aber die Umständlichkeit der Erzählung ist ein Täuschungsmanöver, die die Spannung steigert. (Wilhelm Roth)





International


kerr
ell
leon

1. Platz: Philip Kerr: Game Over 
(Gridiron)
Deutsch von Peter Weber-Schäfer
(Wunderlich)

Kaum hat der gefeierte Architekt Ray Richardson im Herzen von Los Angeles das neue Verwaltungsgebäude der chinesischen Yu Corporation errichtet, ereignen sich geheimnisvolle Zwischenfälle. Die Computersteuerung des High-Tech-Hochhauses benimmt sich plötzlich so, als hätte sie einen eigenen Willen. Mit dem ersten Toten beginnt für die Yu Corporation ein Alptraum.



2. Platz:
James Ellroy: Ein amerikanischer Thriller 
(American tabloid)
Deutsch von Stephen Tree
(Hoffmann und Campe)

Fünf Jahre amerikanische Geschichte, vom 22. November 1958 bis zum 22. November 1963, vom Aufstieg John F. Kennedys bis zu seiner Ermordung in Dallas. Von kleinen Gangstern und FBI-Männern, Erpressungsartisten und schwulen Nachtklub-Entertainern, von Mafiabossen, von dem mächtigen Vorsitzenden der Teamster, Jimmy Hoffa, von J. Edgar Hoover und Howard Hughes erzählt James Ellroy: von der Kehrseite des amerikanischen Mythos.


3. Platz: Donna Leon: Venezianische Scharade
(Dressed for death)
Deutsch von Monika Elwenspoek
(Diogenes)

An einem heißen Augusttag wird beim Schlachthof von Mestre die Leiche eines Mannes in Frauenkleidung entdeckt. Ein Travestit, getötet nach Streitigkeiten mit seinen Freiern? Commissario Brunetti nimmt die Ermittlungen auf. Die amerikanische Autorin Donna Leon legt ihren dritten in Venedig spielenden Brunetti-Roman vor. Sie deckt darin einen besonders eklatanten Fall bürgerlicher Doppelmoral auf, sowie Korruptheiten im politischen System, wie sie heutzutage überall anzutreffen sind.

Mit Figuren und Situationen, die beängstigend nah sind an der italienischen Realität, katapultiert die amerikanische Wahl-Venezianerin ihre Leser in ein ständiges Wechselbad der Gefühle: Von ungläubigem Staunen über ein gewisses Amüsement bis hin zu tiefer Betroffenheit.
Ironie, Idiotie, Schmunzeln, Schmerz, Tragikomik und traurige Wahrheit vermischen sich zu einem Sittengemälde, in dem Gerechtigkeit und Menschlichkeit von Bürokraten und Heuchlern viel zu oft be- wenn nicht gar verhindert werden.
(Michaela Pelz / krimi-forum.de)





Die Jury:
Andreas Ammer (DLF) / Sönke Boldt (Badische Neueste Nachrichten) / Joachim Dörr / Günther Grosser / Heinz Jakubowski / Martina I. Kischke (Frankfurter Rundschau) / Manfred Sarrazin (Krimibuchhandlung "Alibi", Köln) / Krimibuchhandlung "Crime Express", Hagen /  Krimibuchhandlung "Hammett", Berlin / Iris Schweigert (Krimibuchhandlung "tatort", Berlin) /  Jutta Wilkesmann (Krimibuchhandlung "Die Wendeltreppe", Frankfurt) /  Alf Mayer / Gerhard Neumann / Wolfgang Platzeck (WAZ) / Thomas Przybilka / Wilhelm Roth (epd-film) / Jochen Schmidt / Erhard Schütz (Literaturwissenschaftler) / Willy Theobald /  Jürgen M. Thie /  Bettina Thienhaus (epd-film) / Karl Unger /  Karl Wegmann (taz) / Thomas Wörtche / Reinhard Jahn / Werner Puchalla

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